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Sonnenstadt
Kristina Shtubert
Sonnenstadt
Wettbewerb Dokumentarfilm
- | Lichtblick-Kino
- | ACUDkino
- | Babylon 3
In einer Welt, die sich zunehmend überwältigend, bedrohlich und unmenschlich anfühlt, suchen die Bewohner*innen der Abode of Dawn in einer abgelegenen Gegend Sibiriens nach Glauben, Hoffnung und Erlösung. Doch die Außenwelt beginnt sich einzumischen und droht, ihre Utopie zu zerstören.
In a world that feels increasingly overwhelming, threatening, and inhumane, the residents of the Abode of Dawn search for faith, hope, and salvation in a remote area of Siberia. But the outside world begins to intrude and threatens to destroy their utopia.
Kristina Shtubert
wurde in Orsk, Russland, geboren und wuchs in Moskau auf. Während ihres Psychologiestudiums an der Staatlichen Lomonossow-Universität (1998–2004) belegte sie Filmregiekurse bei Alexander Proshkin. Nach ihrem Abschluss arbeitete sie als Filmeditorin für diverse Produktionen sowie als Journalistin. 2010 zog Kristina nach Berlin, um Regie an der Deutschen Film- und Fernsehakademie (DFFB) zu studieren. Von November 2020 bis August 2021 studierte sie parallel an der Moscow School of New Cinema. Ihr Kurzfilm "Elisa" wurde auf über 40 internationalen Festivals gezeigt und erhielt Auszeichnungen für Kamera und Schauspiel. Derzeit arbeitet Kristina als Projekt-Kuratorin und Ko-Produzentin am Episodenfilm" Almanach der Fremdheit" sowie an der Stoffentwicklung ihres Spielfilmdebüts "Lea" (AT). "Sonnenstadt" ist ihr Abschlussfilm an der DFFB.
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Another German Tank Story
Regie: Jannis Alexander Kiefer | Buch: Theresa Weininger, Jannis Alexander Kiefer
As If Mother Cried That Night
Regie: Hoda Taheri | Buch: Hoda Taheri, Magdalena Jacob, Boris Hadžija
Crystal Wall
Regie: Tarek Roehlinger , Greta Benkelmann | Buch: Birgit Maiwald, Florian Vey, Silva Raddatz, Aglef Püschel, Katja Grübel, Burkhardt Wunderlich
Feelings
Regie: Anna Sofie Hartmann , Ozan Mermer | Buch: Linda Brieda, Kirsten Loose, Riccarda Schemann, Sophia Ayissi, Berthold Wahjudi
Flieg Steil
Regie: Martina Schöne-Radunski, Lana Cooper | Buch: Martina Schöne-Radunski, Lana Cooper
geRecht - Episode 1 / Asylrecht: Paragraphen und Wirklichkeit
Regie: Lydia Ziemke | Buch: Peca Stefan, Matin Soofipour Omam, Mehdi Moradpour
Marzahn Mon Amour
Regie: Clara Zoë My-Linh von Arnim | Buch: Leona Stahlmann, Niklas Hoffmann, Antonia Rothe-Liermann
Masel Tov Cocktail KF zum Panel
Regie: Arkadij Khaet, Micky Paatzsch | Buch: Arkadij Khaet, Micky Paatzsch, Merle Kirchhoff
Oben Ohne
Regie: Willi Andrick, Juan Bermúdez , Isis Rampf, Anna Schröder | Buch: Willi Andrick, Juan Bermúdez, Isis Rampf, Anna Schröder
Seagulls ( ЧАЙКИ)
Regie: Susanne Komorek, Robert Schulzmann | Buch: Susanne Komorek, Robert Schulzmann
Späti
Regie: Marleen Valien , Max Rainer | Buch: Marleen Valien, Mathis van den Berg, Max Rauer, Biko Erki, Kilian Lieb, Max Rainer, Patrick Stenzel
Think Of Something Beautiful
Regie: Thi Mai Trang Vo, Nadja Ißler | Buch: Thi Mai Trang Vo, Nadja Ißler
Regiekommentar
»At first, I was fascinated by this group of people, who in this day and age believe that Christ was reborn and lives among them in this remote place. I wanted to find out how they live and if they are happy. But soon and almost imperceptibly, the fate of the entire country wove itself into the film. Why did I travel to the Abode of Dawn four times and why did I want to go a fifth? It had less to do with Vissarion and more with the hopes and dreams of his disciples. What were they searching for? Can they find it in the Abode of Dawn, in this attempt to build a better society? Slowly but surely, the outside world pushes back into their lives and will not let them go. I observed a phenomenon and tried to understand it. Did I succeed? What stayed with me is their longing. By building the Abode of Dawn, Vissarion’s followers attempted to do something that I respect: To live their utopia. Maybe I'm even envious. The subject of the film is an ambivalent phenomenon and it describes it in an ambivalent way. I did not intend to push any point of view onto the audience. I neither glorify nor destroy what I show. The film shows the strengths and weaknesses of a utopia. I give viewers freedom for their own interpretation. The film has many layers. Its evolution spans five shoots over nine years. There are fourteen protagonists, as well as other, smaller characters. It covers a multitude of themes: the belief in the rebirth of a messiah, society and its rules, daily life in the rural Taiga region, self-sufficiency, Armageddon, family, gender rules, the outside world conflicting with the inner self – the list goes on. The film unfolds calmly and with ease. Despite the wide variety of protagonists and topics, it does not feel overloaded. The viewer gets to know this community in an intimate way. A community whose longing for an alternative lifestyle is the throughline of this film. It is important to me to emphasize that "Abode of Dawn" is not a film about a cult. It is a film that poses pivotal questions about life, questions I ask myself: How to live? How to act? And why?
Anfangs war ich fasziniert von Menschen, die heutzutage daran glauben, dass Christus wiedergeboren wurde und an diesem so abgelegenen Ort unter ihnen weilt. Ich wollte erfahren, wie sie leben, ob sie glücklich sind. Doch beinahe unbemerkt hat sich das Schicksal des ganzen Landes in den Film hineingewoben.Warum bin ich viermal dorthin gereist und wollte es noch ein fünftes Mal tun? Es war weniger Wissarion, der mich interessierte, sondern die Sehnsüchte und Hoffnungen seiner Anhänger. Was suchen sie? Finden sie es in der Sonnenstadt, in diesem Versuch einer besseren Gesellschaft? Allmählich und nachdrücklich dringt die Außenwelt wieder in ihre Leben hinein und lässt ihnen keine Ruhe.Ich habe ein Phänomen beobachtet und versucht, es zu verstehen. Ist mir das gelungen? Geblieben ist die Sehnsucht. Die Anhänger Wissarions haben mit dem Bau der Sonnenstadt etwas gewagt, für das ich Respekt habe: ihre Utopie zu leben. Vielleicht bin ich sogar neidisch.Der Film befasst sich mit einem ambivalenten Phänomen und beschreibt dieses auch ambivalent. Es war nicht meine Absicht, den Zuschauern*Innen eine Sicht aufzuzwingen. Weder verherrliche ich, was ich zeige, noch zerstöre ich es. Der Film zeigt die Stärken und die Schwächen einer Utopie. Ich gebe den Zuschauern*Innen die Freiheit, sich selbst ein Bild zu machen.Der Film ist vielschichtig. Sein Entstehungsprozess erstreckt sich über fünf Drehphasen im Laufe von neun Jahren. Er zeigt 14 Protagonisten und weitere kleinere Auftritten. Seine Themen sind vielfältig: der Glaube an die Rückkehr eines Messias, Gemeinschaft und Gemeinderegeln, Lebensalltag in der dörflichen Taiga-Region, Selbstversorgung, Weltuntergang, Familie, Verhältnis von Mann und Frau, die Außenwelt im Konflikt mit der Innenwelt – die Aufzählung ließe sich fortsetzen.Der Film entfaltet sich mit Ruhe und Leichtigkeit; er wirkt trotz der Menge seiner Protagonisten und Themen nicht überfrachtet. Man lernt auf intime Weise eine Gemeinschaft kennen, deren Sehnsucht nach einem alternativen Leben sich als Leitschnur durch den Film zieht.Mir ist es wichtig, zu betonen, dass „Sonnenstadt“ kein Film über eine Sekte ist, sondern ein Film, der zentrale Fragen des Lebens behandelt, die auch ich mir stelle:Wie leben?Was tun?Und wofür eigentlich?«